Die Insel der Linkshänder von Alexandre Jardin

Mmh, wie soll ich sagen? „Die Insel der Linkshänder“ von Alexandre Jardin ist ein schräges Buch, aber doch mit interessanten und wie ich glaube aktuellen Denk- und Lebensansätzen. Natürlich ziemlich ins Extrem getrieben. Aber vielleicht auch nicht. Wer weiß.

Wie schafft man es, wirklich zu lieben? Diese Frage stellt sich die Hauptfigur Lord Jeremy Stork, dessen Ehe mit seiner geliebten Frau Emily nicht das ist, was er sich wünscht. Er hat das Gefühl, sie zu verlieren, kein richtiger Ehemann zu sein und sie ist frustriert, weil er sie nicht kennt. Sie stellen fest, dass alle um sie herum, im London der 1920er Jahre sich damit arrangieren, dass die Liebe verfliegt oder dem Alltag weicht, sobald man verheiratet ist. Aber Jeremy ist nicht bereit, das zu akzeptieren. Man könnte sagen, er hat die Schnauze voll von all den griesgrämigen und grauen Leuten in Europa und ihrer Negativität und auch von seinen recht extravaganten Eigenheiten, die er im Laufe seines Lebens entwickelt hatte. Auf seiner Suche stößt er auf eine Geschichte von einer Insel im Südpazifik, auf der sich eine Gruppe Auswanderer eingerichtet hat, die ihr Leben der Liebe verschrieben haben. Für ihn ist klar, da will er hin. Und so machen sie sich gemeinsam mit ihren Kindern auf den Weg zur ‚Insel der Linkshänder‘.

Und dort landen sie mit ihrem Heißluftballon mitten in einer Versammlung der Kolonisten, die gerade beschlossen haben, die Nickelminen zu schließen, weil es in ihrer Gesellschaft ja nicht um materiellen Reichtum und Geld geht, sondern um die Liebe und ein sinnvolles, erfülltes Leben. Und was da in dieser Gesellschaft alles angestellt wird, um die Liebe zu erforschen, Neigungen auszuleben und das alles ohne Grenzen, das ist schon ziemlich spannend, anregend und nicht in allen Dingen mein Ding. Aber was Emily und Lord Stork dort erleben, ist vor allem eine Reise zu sich selbst und ein Auskundschaften und Herumprobieren miteinander bei der Gestaltung ihrer Ehe und Beziehung. Ein sich gegenseitig Annehmen lernen, so wie sie sind. Ein Gestalten ihres Lebens in einer Weise, dass es zu ihnen passt, obwohl sie sehr verschieden sind. Und das kam mir doch sehr bekannt vor.

Was mir im Buch irgendwann zu viel wurde, ist der Fokus darauf, dass die Männer die Frauen so lieben sollen und all die Liebesbeweise, die sie sich so ausdenken. Und dass die Frauen zufrieden gestellt werden. Und irgendwie konnte ich nicht umhin festzustellen, dass auf der ‚Insel der Linkshänder‘ letztendlich genauso viele gesellschaftliche ‚Regeln‘ herrschten wie im London, das sie verlassen hatten. Nur, dass die Regeln hier der Liebe geschuldet waren. Lord Stork, Emily und ihren Kindern schien das nichts auszumachen. Sie fühlten sich wohl. Und am Ende trifft sie noch ein unerwarteter Schicksalsschlag, der noch eine andere Ebene des Seins mit einbezieht.

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